Christine Keruth
St-May 2010.1
26.02.2011 – 02.04.2011
Christine Keruth: Das ganz Andere - Malerei

Christine Keruth lässt sich von dem Heiligkeitsbegriff des ev. Theologen und Religionswissenschaftlers Rudolf Otto inspirieren und interpretiert ihn für ihre bildnerische Arbeit neu.


In seinem Hauptwerk Das Heilige von 1917 umschreibt er irrationale Gefühle beim Zugang zum Heiligen als dem ganz Anderen. Dieses ganz Andere entzieht sich der rationalen Begrifflichkeit und kann nur zeichenhaft angezeigt werden.
Christine Keruth, bildende Künstlerin und Religionswissenschaftlerin, geht es um die emotionalen Phasen des Zugangs zum Übersinnlichen, z.B. wenn sie von Naturerscheinungen oder bestimmten Orten berührt sind.
So malt sie seit mehreren Jahren an der Werkreihe St.-May, einem Bergdorf im Südosten Frankreichs. Der Betrachter sieht eine von links nach rechts steil aufwärts gehende Linie, an der sich kleine Häuser entlang reihen. An deren Spitze befindet sich ein Friedhof mit einem Kruzifix. An der rechten äußeren Bildkante fällt die Linie steil ab. Unten im Tal fließt der Fluss Eygues. Anhand dieses, für sie heiligen Ortes, versucht sie das Unfassbare erfahrbar zu machen.
In Arbeiten, wie Rapid Eye Movement, in der sie sich von den Deckenfresken von Giovanni Batista Tiepolo inspirieren lässt, entsteht ein transluzider, offener Raum zwischen Erde und Himmel, in dem sich menschliche oder schon nicht mehr menschliche Wesen befinden.
In ihrer Werkreihe knüpft Christine Keruth an die Romantik an, in der Gefühl, Leidenschaft, Mysterium, Sehnsucht, Geheimnis eine große Rolle spielten. Schon Künstler, wie C.D. Friedrich versuchten, das ganz Andere, das Erhabene heiliger Orte künstlerisch festzuhalten.

Teil der Doppelausstellung von Karin Fleischer und Christine Keruth.
Vernissage am Freitag, den 25. Februar 2011 um 19 Uhr
Finissage am Freitag, den 25. März 2011 um 19 Uhr


Christine Keruth, Das ganz Andere (Malerei)