Schmiedekind / Kirchner
09.09.2011 – 15.10.2011
Jörg Schmiedekind & André Kirchner.
Berlin-Mitte Ecke Jerusalemer, Fotografie


Seit vielen Jahren schon verfolgt der Berliner Fotograf André Kirchner die Idee, seine Fotografien aus ihren zeitgebundenen, meist seriellen Zusammenhängen, in denen sie entstanden sind, herauszulösen, um sie zu Topographien der ihnen eingeschriebenen Orte mosaikartig über den ganzen Zeitraum der Aufnahmen hinweg neu zusammenzusetzen – ohne dabei in das ebenso oft geübte wie simple „Vorher/Nachher“ zu verfallen. Also die eigenen Fotografien eines bestimmten Ortes in der Stadt quer durch die Zeit wie Ausschnitte zu sammeln und gleichsam in einer Collage zusammenzukleben.
Jörg Schmiedekind kam 1984 zum Architekturstudium nach Westberlin. Seine ausgiebigen Erkundungs-Streifzüge durch die Stadtlandschaft bekamen mit dem Fall der Mauer ein neues, magisches Zielgebiet: Berlin-Mitte, bzw. was daraus geworden war. Vom urspünglichen Ziel, Gebautes und Stadtlandschaften im Stil der Architekturfotografie idealtypisch abzubilden, rückte Schmiedekind zu Gunsten einer ungeschönten Darstellung inklusive aller Störungen durch Stadtmöblierung, Schilderwald und Dauerprovisorien währenddessen immer weiter ab.

Kirchner und Schmiedekind entdeckten zufällig, dass sie unabhängig voneinander eine bestimmte Ecke in Mitte seit 1990 immer wieder aus den verschiedensten Blickwinkeln fotografierten: das kriegsversehrte und von der Mauer angeschnittene Karree Jerusalemer, Krausen-, Schützen-, und Lindenstraße, heute Axel-Springer-Straße – Jörg Schmiedekind von Anfang an in Farbe und bald digital, André Kirchner dagegen in Schwarzweiß auf Planfilm mit der Großformatkamera.
Beim Zusammenlegen der Fotografien zeigte sich schnell, dass man sich nichts wegnahm, dass sich im Gegenteil für den beobachteten Ort eine neue, intensive Darstellung ergab: Schwarzweiß und Farbe, Schuß und Gegenschuß in der Perspektive, Detail und Totale in den Ausschnitten, in räumlichen Überschneidungen, die zeitlich bis zu zwanzig Jahre auseinander liegen. Alles aber mit den Mitteln der Architekturfotografie geerdet und gerade gestellt, dabei stets auf Augenhöhe des Passanten gehalten. Jeder konnte es sehen, hätte es sehen können, was an dieser durchaus typischen Berliner Ecke ohne Ecken – die waren alle vier in Krieg und Nachkrieg verloren gegangen – geschah oder eben nicht geschah.


Die Stille in der Architekturfotografie mag nicht jedermanns Sache sein, aber in dieser Zusammenstellung von Fotografien eines Ortes wird sie geradezu hörbar. Die Kunsthistorikerin Barbara Lauterbach wird zur Ausstellungseröffnung eine Einführung geben.


Vernissage Freitag, 9. September 2011, 19 - 22 Uhr
open weekend Galerien Berlin-Mitte 10. + 11.September 2011, 11 - 19 Uhr
open friday Galerien Berlin-Mitte 7.Oktober 2011, 18 - 21 Uhr
Finissage Freitag, 14. Oktober 2011, 19 - 22 Uhr


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Impressionen der Ausstellung bei

Jörg Schmiedekind, Berlin-Mitte Ecke Jerusalemer (Fotografie)
André Kirchner, Berlin-Mitte Ecke Jerusalemer (Fotografie)