Kadie Schmidt-Hackenberg
31.03.2012 – 28.04.2012
Sightseeing. Kadie Schmidt-Hackenberg

Stadtbilder nehmen im künstlerischen Repertoire von Kadie Schmidt-Hackenberg einen wesentlichen Bestandteil ein. Doch handelt es sich nicht um Bilder realer Städte im Sinne wirklichkeitsgetreuer Abbildungen oder Veduten, die die Künstlerin entwirft. Vielmehr nähert sie sich dem „Phänomen Stadt“ von soziologischer Seite, denn im Zentrum steht das Verhältnis von Mensch und urbanem Raum. Der Ausstellungstitel „Sightseeing“ verweist darauf, dass es sich dabei diesmal nicht um die Bewohner selbst, sondern um vorübergehende Besucher, also Städtereisende handelt.

Biografisch bedeutsam für die neuen Arbeiten sind Städte, in denen sich die Künstlerin temporär aufgehalten hat. Orte, die sie während ihrer Stipendienaufenthalte in Japan und Italien erkundet hat sowie auf Reisen nach London und Amsterdam. Die farbintensiven Stadtbilder basieren zwar auf selbst fotografierten Vorlagen tatsächlicher Städte, durchlaufen aber einen Prozess der Transformation, bei dem durch malerisch-zeichnerische Verfremdungen und Vereinfachungen sowie eine gänzlich fiktionale, synästhetische Farbgestaltung ganz eigentümliche und ausdrucksstarke Bilder entstehen.


Die städtischen Kulissen in Kadie Schmidt-Hackenbergs Bildern sind Konglomerate gebauter Materialien, die eher lebendigen Organismen gleichen denn toter Materie. Dennoch stehen sich Mensch bzw. Menschen, in diesem Fall Besucher oder Touristen und Bauwerke gegenüber, als würden sie einander mit Vorsicht, gleichermaßen neugierig und argwöhnisch begutachten. Eine Verschmelzung findet nur selten statt. Die fremde Stadt erscheint den Bewohnern auf Zeit geheimnisvoll und auf einschüchternde Weise schön, bleibt dabei aber unnahbar und uneinnehmbar. Das Neue und Unbekannte wird mitunter zur Projektionsfläche individueller Sehnsüchte oder Träume, aus denen auch ungewohnte Konzepte vom eigenen Leben erwachsen können. Die Reisenden erschaffen sich vorübergehend einen idealisierten, fiktiven neuen Lebensmittelpunkt, schlüpfen gedanklich in das Kostüm eines ständigen Bewohners. Dieser imaginäre Flirt hat jedoch nichts von schmerzlicher, unerfüllter Sehnsucht, sondern kommt mit einer Heiterkeit daher, die auch in der Intensität der Farben mitschwingt.

Text: Manuela Lintl, Kunsthistorikerin M.A.

Vernissage: Samstag, 31. März 2012, 19.30 Uhr
Open Weekend: Samstag, 28. April 2012, 11.00 - 18.00 Uhr


Impressionen der Ausstellung bei

Kadie Schmidt-Hackenberg, Sightseeing (Zeichnung und Collage)