Karin Fleischer
Unterwegs 2009
27.07.2012 – 18.08.2012
Karin Fleischer. Komm und lausche ! Neue Harmonie
Abstrakte Pastelle; Gezeichnete Partituren von zeitgenössischen Konzerten


Wenn wir die Zeichnungen von Karin Fleischer anschauen, bemerken wir sofort deren große Dynamik: Punkte verdichten sich zu Zentren, Striche zu Kraftlinien. Gleich, welches Werk der Künstlerin wir betrachten, wir werden sofort von dieser in den Bildern enthaltenen Dynamik mitgerissen: Sie steckt in der Struktur. Manchmal führt sie zu einem sorgfältig konstruierten, fast wie von einem Ingenieur geplanten, geometrischen Triptychon, wo das Horizontale und das Vertikale ein Gleichgewicht finden, ein anderes Mal jedoch wird die Struktur durch intuitive, frei strömende, kalligraphische Gesten geschaffen.

Aber wichtig ist nicht diese Unterscheidung, weil die Trennung der beiden stilistischen Zugriffe in geometrisch und intuitiv nur eine formale Klassifizierung wäre. Die wirkliche und wichtige Frage ist, woher diese machtvolle Kraft kommt, die wir in den Bildern finden? Hier kann der Titel der Arbeiten hilfreich sein: Simultanzeichnungen nach Musik. Das erlaubt uns, ihren Ursprung zu ver- stehen: sie sind simultan mit der Musik entstanden. Karin Fleischer schafft ihre Kunstwerke in Konzerten, gleichzeitig mit dem Hören der Musik. Dadurch wird die musikalische Dynamik unvermittelt in bildnerische Dynamik umgewandelt. Die in der Musik wirkende Energie wird zur Bild konstruierenden Energie.

Es ist hier besonders zu betonen, dass es nicht um die Transformation eines einzelnen Moments geht, nicht um einen heraus gelösten Zeitpunkt, zu dem die Idee ankommt, sondern dass sich im Bild die ganze Kraft des Musikstückes verkörpert. Damit verändert sich auf interessante Weise auch die Quelle der Inspiration. Wir sind daran gewöhnt, dass die Vorlage eines Bildes - sei es figurativ oder abstrakt – meistens ein konkretes, greifbares Stück der “Wirklichkeit” ist: Bei der Landschaft ein Teil der Natur, beim Porträt ein Mensch, beim Stillleben verschiedene Objekte usw. Ganz anders ist es bei den Werken von Karin Fleischer. Hier ist die Quelle der Inspiration nicht die greifbare Wirklichkeit, sondern ausgerechnet die ungreifbare und unkörperliche Musik. Das verdeutlicht, wie grenzüberschreitend das Unterfangen der Künstlerin ist: Sie wendet sich als ihrer Quelle der Inspiration einem akustischen, flüchtigen Phänomen zu und erfasst das Unsichtbare mit den Mitteln der Malerei. Das entspricht einer Aussage Paul Klees: “Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar.”

Karin Fleischer transponiert unsichtbare Musik in sichtbare Kunstwerke. Damit löst sie
auch
einen
anderen
Gegensatz auf, einen Gegensatz, bei dem sich nach Lessing Musik und Literatur in der Zeit und Malerei und Bildhauerei im Raum entfalten. Die Künstlerin überwindet auch dieses Problem, in dem sie mit ihren Werken eine neue Synthese schafft, oder, besser und musikalischer gesagt: neue Harmonie darstellt.

Zoltan SOMHEGYI Kunsthistoriker, Kunstkritiker

Impressionen der Ausstellung bei

Ausstellung vom 27. Juli bis 18. August 2012

Freitag, 27. Juli 2012 19 Uhr Vernissage
Samstag, 28. Juli 2012 20 Uhr Galerie-Konzert „Les heures heureuses“
Samstag, 18. August 2012 12-16 Uhr Finissage mit Sommerbar


Karin Fleischer, Komm und lausche (Zeichnung, Farbradierung, Kupferstich, Installation)